Forgejo: Ihr Git-Dienst in eigener Hand
Der Code liegt woanders – und mit ihm die Kontrolle
In vielen kleineren Betrieben ist über die Jahre ein stiller Schatz entstanden: ein paar Repositories mit Skripten, die den Serverbetrieb am Laufen halten, die Konfiguration der eigenen Anwendungen, dazu die Historie aus Aufgaben und Code-Reviews. Fast immer liegt all das bei einem großen US-Anbieter – meist bei GitHub, weil man dort einmal angefangen hat.
Das funktioniert, solange niemand genauer hinsieht. Doch der Code, die Abläufe und die Zugänge Ihres Betriebs liegen damit auf einer Plattform, über die Sie weder die Regeln noch den Preis bestimmen. Wird das Konto gesperrt oder fällt der Dienst aus, steht im Zweifel auch Ihre Auslieferung still.
Was ein fremder Git-Dienst wirklich kostet
Die monatliche Rechnung ist nur der sichtbare Teil. Teurer sind die Abhängigkeiten dahinter: Lizenzmodelle, die pro Mitarbeiter abgerechnet werden und mit jedem neuen Konto steigen. Rechenzeit für automatische Abläufe, die nach Minuten berechnet wird. Und die schlichte Tatsache, dass Quellcode, Zugangsdaten in Pipelines und interne Diskussionen auf Servern außerhalb der EU liegen – ein Punkt, den Sie spätestens bei der nächsten Betrachtung der DSGVO erklären müssen.
Hinzu kommt die Bindung. Je tiefer Abläufe in einer Plattform verdrahtet sind, desto schwerer der Wechsel. Prüfen Sie einmal, wie viele Ihrer Automatisierungen, Skripte und Zugänge einen festen Anbieter voraussetzen – diese Abhängigkeit ist der eigentliche Preis.
Forgejo: die Git-Plattform unter eigener Flagge
Forgejo ist eine selbst gehostete Git-Plattform – eine sogenannte Software-Forge, also der Ort, an dem Code, Aufgaben und Zusammenarbeit zusammenlaufen. Oberfläche und Arbeitsweise erinnern bewusst an GitHub: Repositories, Issues, Pull Requests, Code-Review. Wer von dort kommt, findet sich sofort zurecht.
Interessant ist die Herkunft. Forgejo entstand Ende 2022 als Abspaltung von Gitea, nachdem um Gitea herum ein gewinnorientiertes Unternehmen gegründet wurde und ein Teil der Community die Richtung nicht mehr mittrug. Seit 2024 geht Forgejo als eigenständige Abspaltung einen eigenen Weg. Getragen wird das Projekt vom Codeberg e.V., einem gemeinnützigen Verein aus Deutschland, der seine Entscheidungen demokratisch und öffentlich trifft. Wenn Sie die Grundlagen einer selbst betriebenen Git-Lösung nachlesen möchten, hilft unser Beitrag zu Gitea als Einstieg weiter – Forgejo ist dessen community-geführter Nachfahre.
Dass Forgejo quelloffen unter einer Copyleft-Lizenz (GPL) steht, ist kein Detail für Juristen. Es bedeutet: keine Lizenzkosten pro Kopf, voller Einblick in das, was auf Ihrem Server läuft, und die Daten bleiben dort, wo Sie sie haben wollen. Dazu ist die Software genügsam und läuft bereits auf bescheidener Hardware.
Mehr als ein Git-Server: Actions und Föderation
Zwei Funktionen heben Forgejo über einen reinen Code-Speicher hinaus. Forgejo Actions ist eine eingebaute Automatisierung für Bauen, Testen und Ausliefern. Sie ist mit einem großen Teil der aus GitHub bekannten Syntax kompatibel – vorhandene Abläufe lassen sich also oft mit wenig Aufwand übernehmen, laufen dann aber auf Ihrer eigenen Infrastruktur statt auf fremder Rechenzeit.
Hinzu kommt die Föderation über das offene ActivityPub-Protokoll: Instanzen verschiedener Betreiber können miteinander sprechen, ohne dass alles auf einer zentralen Plattform liegen muss. Für die Anbindung an Vorhandenes bringt Forgejo außerdem die üblichen Verfahren wie LDAP, OAuth und OIDC mit, sodass sich bestehende Benutzerkonten weiterverwenden lassen, statt ein weiteres Passwort-Silo aufzumachen.
So sieht das in der Praxis aus
Der Betrieb ist überschaubar: ein Container und ein Verzeichnis für die Daten. Ein Auszug aus einer Compose-Datei genügt, um das Prinzip zu zeigen:
services:
forgejo:
image: codeberg.org/forgejo/forgejo:latest
restart: unless-stopped
volumes:
- ./data:/data # Repositories, Datenbank, Konfiguration
ports:
- "3000:3000" # Weboberfläche
- "222:22" # Git über SSH, zweiter Port neben dem Host-SSH
Für den Produktivbetrieb pinnen Sie statt latest eine feste Version und stellen einen Reverse Proxy für die Verschlüsselung davor – wie das sauber gelingt, zeigt unser Beitrag zum Nginx Proxy Manager. Dass der ganze Dienst als Docker-Container läuft, macht Updates und Datensicherung berechenbar.
Was bei der Einführung zu beachten ist
So geradlinig der erste Start ist – ein paar Entscheidungen tragen weiter, als es zunächst aussieht. Der Umzug von GitHub oder Gitea ist dank dokumentierter Migrationswege gut machbar, will aber geplant sein: Nicht nur die Repositories, auch Issues, Benutzer und Berechtigungen sollen vollständig ankommen.
Entscheidend ist das Sicherungskonzept. Ein Backup der reinen Git-Daten reicht nicht – die Datenbank und die Konfiguration gehören dazu, sonst fehlt im Ernstfall die halbe Plattform. Rechnen Sie außerdem damit, dass die Automatisierung mit Forgejo Actions einen eigenen Baustein voraussetzt, den sogenannten Runner, der getrennt eingerichtet und gepflegt wird. Und der zweite SSH-Port will mit der Firewall und dem bestehenden Host-Zugang abgestimmt sein. Das sind keine Hürden, aber Punkte, an denen Erfahrung Zeit spart und Fehlkonfigurationen vermeidet.
Fazit
Forgejo bringt Code, Aufgaben und Automatisierung zurück auf einen Server, den Sie kontrollieren – ohne Lizenzkosten pro Kopf, mit klarer Herkunft und ohne Umweg über fremde Rechenzentren. Der Aufwand steckt dabei weniger im ersten Start als im sauberen Konzept für Migration, Sicherung und Anbindung. Bei Planung, Einführung und Umzug einer solchen Umgebung unterstütze ich Sie gerne.
